DIE ERSTE KRÄHE

Es ist wenig bekannt über den Unsterblichen, den die Barden Halup nennen. Die meisten Legenden berichten jedoch, dass er einst ein sterblicher Soldat war. So wird erzählt, dass er sich in den Drachenkriegen auszeichnete und während der Kampagne zur Bezwingung von Yaermir und Lyessa das Banner des Allvaters trug.

Fand Halup bei seiner Rückkehr seine Frau und Kinder ermordet vor, unschuldige Opfer grausamer Zeiten? Oder hat er sie etwa selbst getötet, um seine Ergebenheit unter Beweis zu stellen? Oder in einem alptraumhaften Wutanfall?

Möglicherweise ist keine dieser Geschichten wahr. Vielleicht auch alle. Wer kann das schon sagen bei einem Mann, der tausend Leben gelebt hat?

Wir wissen nur, dass Halup die Götter erzürnte. Seine Unsterblichkeit war die Strafe, die sie ihm auferlegten.

Nur Narren träumen vom ewigen Leben. Nun, da Halup ein friedliches Jenseits verwehrt war, wurde er ein unsterblicher Soldat – dazu verflucht, in jedem Krieg, in allen Welten und in allen Zeitaltern zu kämpfen und immer wieder zu sterben. So erwacht er am Vorabend einer jeden Schlacht, ohne Erinnerung an seine vergangenen Leben. Das einzige, woran er sich erinnert, ist sein Pflichtgefühl und wie man ein Schwert führt.

Jedes seiner Leben endet auf die gleiche Weise. Gerät sein Herz ins Stocken, werden seine Erinnerungen schlagartig wieder wach: an seine Frau, seine Kinder, die Liebe, die Sehnsucht, die Verzweiflung und den Schmerz. Er erinnert sich an alle seine Leben und an den Schmerz aller seiner Tode.

Mit seinem letzten Atemzug verflucht er die Götter … nur um aufzuwachen und erneut zu kämpfen.

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